Zuerst einmal ein grosses Loch

Noch wichtiger als die neun eigentlichen Traktanden war an der 22. ordentlichen Mitgliederversammlung der Pro City das Rahmenprogramm: Erstmals nämlich wurde der im Dezember 1991 definitiv bewilligte Umbau des Rüden-Buchsbaum-Areals offiziell vorgestellt.

Seit mehr als zwanzig Jahren schon zeichnet der Schaffhauser Architekt Hans-Paul Bührer Pläne für die Überbauung Rüden. Was dabei herausgekommen ist, demonstrierte Felix Aries vom Architekturbüro Aries, Bührer, Ruf & Partner AG gestern abend den Mitgliedern der Pro City.

 

Die Ecke Bahnhof-/Schwertstrasse ist eine der wichtigeren und empfindlicheren Stellen in unserem Stadtbild. Nicht zuletzt darum hat die Planung der Überbauung auch so viel Zeit in Anspruch genommen. Nun aber steht das Projekt mit einem Bauvolumen von 29000 Kubikmetern, einer Bruttogeschossfläche von 5300 Quadratmetern und vorsichtig geschätzten Kosten zwischen 15 und 18 Millionen Franken.

 

Zunfthaus bleibt bestehen

Um- oder neugebaut werden das, Eckhaus ABC, das sogenannte «Zeilenhaus», das einmal das Kino Rüden beherbergte, der Buchsbaum an der Oberstadt und mehrere dazwischen liegende Häuser. Es sollen aber nicht einfach neue, voneinander unabhängige Gebäude aufgestellt werden, geplant ist vielmehr ein zusammenhängender Komplex mit zwei attraktiven Innenhöfen, die sowohl von der Bahnhofstrasse als auch von Schwertstrasse und Oberstadt erreichbar sein sollen. Vom Umbau ausgespart bleibt das für seine historisch bedeutsame Bausubstanz bekannte Zunfthaus «Zum Rüden» an der Oberstadt (nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Kino an der Bahnhofstrasse).

 

Schutzraum statt Kino

Im November soll mit den Abbrucharbeiten begonnen werden. Vorher wird noch in den Kellern der Liegenschaften gegraben. Man erwartet interessante Funde aus dem Mittelalter. Zumindest Reste der um 1200 entstandenen Stadtmauer dürften auf der ganzen westlichen Fassadenlänge zu finden sein. Mit einer durchschnittlichen Mauerdicke von 1,8 Metern ist zu rechnen, die ehemalige Stadtmauer wird also einen guten Teil des Untergeschosses beanspruchen. Die Architekten möchten den alten Schutzwall teilweise sichtbar in den Neubau integrieren, und entsprechend offen bleibt denn auch vorerst noch die Planung des Untergeschosses. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass das früher einmal vorgesehene Grosskino nicht zustande kommt. An dessen Stelle sind aus finanziellen Überlegungen neuerdings 355 Quadratmeter Schutzraum vorgesehen.

 

Im Erdgeschoss möchte die Bauherrschaft, die Deggo AG aus Volketswil, eine bunte Laden-Mischung (von der Bijouterie bis zum Schuhgeschäft) ansiedeln. In den oberen Geschossen sollen Büros und 22 Wohnungen eingerichtet werden. Den Bezug der Liegenschaften hat die Deggo AG für April 1995 vorgesehen. Um diesen Termin einhalten zu können, müsste bereits im kommenden Februar mit dem Aushub der Baugrube begonnen werden, eigentlicher Baubeginn wäre dann im Mai 1993.

 

Soviel also erfuhren die Mitglieder der Pro City an der gestrigen Mitgliederversammlung über die Überbauung des Rüden-Buchsbaum-Areals. Vorher galt es allerdings noch, die eigenen Geschäfte zu erledigen, was in durchwegs harmonischer und aufgeräumter Stimmung geschah. Alle traktandierten Entscheidungen wurden einstimmig gefällt. Der Jahresbericht von Präsident Peter Häberling fand ebenso einhellig Zustimmung wie die Jahresrechnung 1991/92 und das Budget 1992/ 93. Auch der Vorstand wurde inklusive Präsident ohne Gegenstimme wiedergewählt.

 

Ein Sprung vom Kran

Die Stimmung also ist gut in der Pro City, und auch die Finanzen stimmen. 98 563 Franken haben die rund 250 Mitglieder letztes Jahr in die Kasse einbezahlt. Schliesslich resultierte bei Ausgaben in der Höhe von 109149 Franken ein Defizit von 7956 Franken - 12 000 Franken Defizit waren budgetiert. Nächstes Jahr sollen dank des City-Märkts wieder schwarze Zahlen geschrieben werden, ein Plus von 12 000 Franken wird erwartet. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf des City-Märkts ist diesmal übrigens nicht mehr Paul Pflügl sondern Rolf Schmid. Dieser forderte die Anwesenden auf, den City-Märkt, der in den letzten Jahren zusehends an Glanz verloren habe, mit neuen Ideen erneut zu attraktivieren. Der Vorstand ging gleich mit gutem Beispiel voran: Free-Jumping will er nach Schaffhausen bringen. Und da die Rheinbrücke für so etwas eben nicht viel taugt, wird ein passender Kran für Wagemutige organisiert. (sst.)

[…] Das Modell zeigt an der Ecke Bahnhof-/ Schwertstrasse das neue Eckhaus und rechts davon die neue Fassade des ehemaligen Kinos Rüden. Verdeckt sind die Gebäude im Innenhof, der bis zum ehemaligen Kino Buchsbaum reicht.
[…] Das Modell zeigt an der Ecke Bahnhof-/ Schwertstrasse das neue Eckhaus und rechts davon die neue Fassade des ehemaligen Kinos Rüden. Verdeckt sind die Gebäude im Innenhof, der bis zum ehemaligen Kino Buchsbaum reicht.
Architekt Felix Aries (links) und Christian Elliscasis von der Deggo AG wollen nach jahrelangem Hin und Her den Grossbau nun wacker vorwärts treiben.
Architekt Felix Aries (links) und Christian Elliscasis von der Deggo AG wollen nach jahrelangem Hin und Her den Grossbau nun wacker vorwärts treiben.

Quelle: Schaffhauser Nachrichten, 21. Mai 1992