Dauerhafte Vakanzen im Kirchenstand

Bereits seit mehreren Jahren sind zwei Plätze im Kirchenstand der römischkatholischen Kirchgemeinde Schaffhausen vakant.

Nachdem nun zusätzlich der amtierende Präsident, zusammen mit dem Vizepräsidenten, den Rücktritt auf das Ende der Amtsperiode im Jahre 2000 angekündigt hat, zeichnet sich auch in dieser Behörde eine sehr ernst zu nehmend Lücke ab. Anlässlich der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung machte der Kirchenstandspräsident, Walter Hauser, einmal mehr auf eine seiner Hauptsorgen aufmerksam (Zitat): «Es ist uns auch im Jahre 1998 nicht gelungen, fähige Personen zur Übernahme einer Funktion im Kirchenstand zu bewegen. Dass wir mit diesem Problem nicht alleine sind, ist lediglich ein schwacher Trost. Auf der einen Seite ist die Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen, aus verschiedenen Gründen sehr klein, und auf der anderen Seite ist teilweise unsachliche Kritik an Entscheiden und Lösungsvorschlägen aus solchen Behörden weder für die aktuellen Amtsinhaber noch für allfällige Interessenten motivierend.» Obwohl der Kirchenstandspräsident in seinen Dankesworten an die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die grosse fachliche und persönliche Unterstützung durch die weiteren Kirchenstandsmitglieder nur loben konnte, sind die Aussichten auf eine baldige Lösung der aufgezeigten Probleme düster.

 

Nach diesen klaren Worten genehmigten die 83 im Pfarreizentrum St. Konrad anwesenden Kirchgemeindemitglieder die ordentlichen Jahresgeschäfte in gewohnter Manier nahezu einstimmig: Die Jahresrechnung 1998, die bei einem Gesamtaufwand von 2,75 Millionen Franken und mit einem Ertrags-überschuss von 628 Franken, angesichts eines um rund 100 000 Franken geringeren Steuerertrages gegenüber dem Budget, überraschend positiv abgeschlossen werden konnte. Nebst verschiedensten Einsparungen hat insbesondere der nicht budgetierte Ertrag aus Aktienverkäufen zu diesem ebenso erfreulichen wie auch einmaligen Rechnungsergebnis beigetragen. Der Voranschlag für das Jahr 1999 weist bei gleichbleibendem Kirchensteuerfluss von 13 Prozent wiederum einen Rückschlag von 53 963 Pranken aus, der budgetierte Rückschlag des Vorjahres betrug 67 215 Franken. Auch die Bauprojektabrechnungen für den Umbau des Pfarrhauses St. Peter, die Heizungssaniemng St. Konrad und für den Umbau der Küche im Pfarreisaal von St. Maria, die allesamt mit zum Teil massiven Einsparungen gegenüber den Kostenvoranschlägen abgeschlossen werden konnten, wurden diskussionslos genehmigt. Der seit seinem Umzug nach Flurlingen ebenfalls nur noch «ad interim» amtierende Baureferent Roland Wiehl konnte aufgrund seiner gewohnt umsichtigen Planung und über zwanzigjährigen Referatserfahrung den dankenden Applaus für die gelungenen Bauprojekte entgegennehmen.

 

In einem kurzen Referat über den aktuellen Abklärungsstand berichtete Architekt Peter Ruf als Projektbeauftragter, zusammen mit den zugezogenen Fachleuten Felix Aries und Ruedi Kohler, dass die Kosten für die dringend notwendige Fassadenrenovation an der Kirche St. Maria maximal 915 000 Franken betragen werden. Eine detaillierte Vorlage wird der Kirchgemeinde im Jahre 2000 unterbreitet.

 

Als ausserordentliches Traktandum beantragte der Kirchenstand, per 1. Januar 2000 ein neu geordnetes Besoldungsreglement in Kraft zu setzen, mit dem die immer schwieriger nachvollziehbare Anbindung an die Besoldungsverordnung der Stadt Schaffhausen aufgehoben werden sollte. Dabei zeigte sich einmal mehr die im Eingangsvotum des Präsidenten erwähnte Problematik für eine ehrenamtlich arbeitende Behörde, wenn es um die Realisierung neuer und langfristig wichtiger Projekte geht: Dem Kirchenstand gelang es nicht, die Versammlungsmitglieder von der Notwendigkeit und Seriosität eines eigenständigen Besoldungsreglements für die Angestellten und Behörden der Kirchgemeinde zu überzeugen. Die überwältigende Mehrheit unterstützte den routiniert und schnörkellos vorgetragenen Rückweisungsantrag eines Versammlungsteilnehmers, der unter anderem auf dem Vorwurf basierte, der Kirchenstand beabsichtige (entgegen seinem schriftlichen Bericht) massive Erhöhungen in bestimmten Besoldungskategorien. Ein schriftlich eingereichter Antrag eines abwesenden Gemeindemitglieds, der den Kirchenstand beauftragen sollte, die Zusammenlegung der Pfarrei St. Konrad mit der Pfarrei St. Maria zu prüfen, wurde mit noch deutlicher Mehrheit ebenfalls abgelehnt. (bp)

Quelle: Schaffhauser Nachrichten, 08. Mai 1999