Bergen und retten mit moderner Technik

Ausnahmezustand an der Hemishofer Dorfstrasse: Zwei Abbruchhäuser wurden zum Schauplatz einer gross angelegten Rettungsübung.

Hemishofen. So etwas gibt es selten zu sehen – zumal in Hemishofen: Zwei Gebäude, eines davon ein Mehrfamilienhaus, an der ansonsten eher stillen Dorfstrasse standen am Samstagmorgen im Mittelpunkt des Interesses. Um die Liegenschaft, die der Tuttlinger Firma Storz gehört, am Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt nochmals sinnvoll zu nutzen, wurden die daraufstehenden Immobilien kurz vor dem Abbruch zum Territorium für eine gross angelegte Rettungsübung mit vielen Aspekten. Am Freitag hatte die Thaynger Gartenbaufirma Frei, die auch den Rückbau vornehmen wird, Trümmerhaufen aufgeschüttet, die am Samstag in die Übung einbezogen werden sollten.

 

Spezialisierte Bergungstechniker

Die leider wenigen Zuschauer – darunter Gemeindepräsident Stefan Straub, Baureferent Andy Jost, der ausführende Planer Felix Aries (MedPlan Engineering AG) und Projektleiterin Manuela Knecht aus Schaffhausen sowie Ulrich Merz als Vertreter der Firma Storz in Tuttlingen – erlebten eine spektakuläre Ballung von hoch spezialisierten Rettungs-, Lösch- und Betreuungskräften: Gleichsam mit einem Heimspiel war die Feuerwehr Hemishofen zugegen, von den Schaffhauser Spitälern war der Rettungsdienst unter der Leitung von Dr. Klaus Lang vor Ort. Gemeinsam mit der Ortsgruppe Singen vom Deutschen Roten Kreuz, geleitet von Günter Grass, übten die Schaffhauser Retter verschiedene Bergungstechniken sowie den Umgang mit neuen Storz-Instrumenten. Zwei Geräte wurden dem Rettungsdienst Schaffhausen von der Firma Karl Storz anschliessend zur künftigen Verwendung übergeben.

 

Videoskope und Storz-Endoskope

Unter Trümmerhaufen verschüttete Figuranten suchte man auf zwei verschiedenen Wegen: Zum einen durch die Feuerwehr Tuttlingen mit dem Videoskop, der Mammutausführung eines Storz-Endoskops, mit dem man auf engsten Wegen in Trümmerberge hineinspähen kann, zum anderen durch Rettungshunde der Zürcher Gruppe «Redog». Buchstäblich hoch hinaus ging die Steiner Stützpunktwehr (Übungsleiter André Geiger). Sie demonstrierte mit ihrem Hubretter die Bergung von Figuranten aus den Dachgeschossen und bekämpfte gemeinsam mit den Hemishofern ein währschaftes Feuer.

 

Grenzüberschreitende Übung

In Hemishofen kam dank deutschschweizerischem Goodwill eine Übung zustande, die sowohl in ihren Einzelelementen lehrreich war, die aber auch interdisziplinäres und grenzüberschreitendes Teamwork der verschiedenen Rettungsdienste ermöglichte. Teamarbeit zwischen dem staunenden Publikum und den Akteuren dann auch beim abschliessenden Lunch – und Zufriedenheit bei den Hemishofern darüber, dass sie nun wissen, was in ihrem Dorfzentrum entstehen soll. Übrigens: Bereits nächste Woche werden die beiden Häuser rückgebaut.

 

Etliche Orte entlang des Stromes nehmen für sich das Prädikat «Perle am Rhein» einfach mal so in Anspruch. Hemishofen dagegen ist eine solche. Wen wundert da, dass sich bei Gelegenheit auch schon mal ein Weltkonzern wie die Tuttlinger Medizinaltechnik-Firma Storz in Hemishofen ein Plätzchen sichert?

Das Unternehmen mit weltweit 4000 Mitarbeitern stellt medizinische Geräte wie Endoskope her – Sonden also, mit denen zu Untersuchungs- und Operationszwecken etwa durch Venen in den menschlichen Körper eingedrungen werden kann. Dasselbe Prinzip hat die Firma Storz auch auf das Rettungswesen übertragen, indem sie Videoskope auf den Markt gebracht hat, mit denen unter Trümmerhaufen optisch nach Verschütteten gesucht werden kann. Solches oder anderes Gerät will die auch in Schaffhausen ansässige Firma in Hemishofen weder fertigen noch darauf schulen. Entgegen anderslautender Gerüchte soll anstelle der zwei nun abzubrechenden Gebäude im Hemishofer Dorfzentrum weder eine Produktionsstätte noch ein Schulungszentrum entstehen. Geplant, so Architekt Felix Aries, sei ein Haus mit vier Gästezimmern, Küche, Schulungs- und Aufenthaltsraum, das ausschliesslich dazu diene, Kaderleute der Firma aus aller Welt in einer angenehmen Umgebung unterzubringen. Wobei zu diesen sicherlich gerne genutzten Annehmlichkeiten ein eigener Rheinzugang gehören wird. Schliesslich heisst das Gelände im Katasterplan auch «Riigaarte». In der kommenden Woche beginnen übrigens die Rückbauarbeiten.

Zwei Gebäude, die abgebrochen werden, dienten am Samstag einer gross angelegten Rettungsübung (Bild Ernst Hunkeler)
Zwei Gebäude, die abgebrochen werden, dienten am Samstag einer gross angelegten Rettungsübung (Bild Ernst Hunkeler)
Reanimation mit Storz-Geräten. (Bild Ernst Hunkeler)
Reanimation mit Storz-Geräten. (Bild Ernst Hunkeler)
Felix Aries, Manuela Knecht (MedPlan), Stefan Straub und Andy Jost (v. l. n. r.) (Bild Ernst Hunkeler)
Felix Aries, Manuela Knecht (MedPlan), Stefan Straub und Andy Jost (v. l. n. r.) (Bild Ernst Hunkeler)

Quelle: Schaffhauser Nachrichten, 21.Juni 2010 von Ernst Hunkeler